Von regungsloser Bewegung

Eine Treibjagd bei absoluter Bewegungslosigkeit. Stillstand bei innerer Raserei. Wie gelähmt liege ich hier, habe das Gefühl, mich nicht bewegen zu können. Meine Gedanken drehen sich im Kreis, überrunden sich selbst. Als würden unzählige kleine Truppen durch ihn jagen, so fühlt sich mein Körper an. Als wollten sie mich zur Bewegung drängen, mich antreiben.

Doch ich kann mich nicht bewegen und fühle mich dem inneren Treiben hilflos ausgeliefert. Es ähnelt dem Gefühl großer Nervosität, wie Lampenfieber, und meine Sehnsucht nach Ruhe wächst stetig. Ich möchte der inneren Unruhe mit körperlicher Bewegung entgegenwirken. Fast scheint mein Körper aus Angst vor vollständigem Stillstand von innen heraus für Bewegung zu kämpfen. Um Lebendigkeit zu kämpfen.

Konzentriert denke ich über eine mögliche erste Bewegung nach. Eine einfache Bewegung. Aufsetzen aus dem Liegen zum Beispiel. Allein das Denken daran kostet so viel Kraft und dem Kopf scheint es unmöglich, dem Körper umsetzbare Befehle zu schicken. Die Wege, die diese Befehle über die Nervenbahnen zurücklegen müssten, scheinen unendlich.

Ich spüre die Grenzen meines Körpers kaum, sodass die Wege auch nur mit höchster Konzentration und Kraftaufwand zu finden sind. Es erfordert viel Mut, die Suche nach ihnen aufzunehmen. Die Gefahr, sie nicht zu finden und die daraus resultierende Angst und Ohnmacht aushalten zu müssen, scheint wahnsinnig groß.

Doch auch das Liegen ist anstrengend. Arme, Beine, Rumpf, – alles sinkt nicht in das Sofa ein. Voller Anspannung schwebt der Körper starr über der Liegefläche. Diese Stunden und Tage im rasenden Stillstand sind keine erholsamen, keine entspannten. Während derer ist die Stille so laut, bedrängt mich geradezu. Ich fühle mich ihr hilflos ausgesetzt, fühle mich mir hilflos ausgesetzt. Erleichterung bringen einzig die Momente, in denen die Augen zu fallen und der Schlaf den Kopf für eine Weile beruhigt.

Letztlich ist es ein Reiz von außen, der ausschlaggebend sein wird, den Mut zur ersten Bewegung zu finden. Er wird die Gedankengänge verkürzen und so wieder die Automatismen zurückkehren lassen. Die Automatismen, sich aufzusetzen, aufzustehen, weiterzugehen, weiter zu leben. Für nicht absehbare Zeit jedoch mit einer Jacke aus Blei, die auf Körper und Seele lastet. Depressiv zu sein bedeutet nicht nur, seelisch krank zu sein, sondern fühlt sich auch wie eine physische Behinderung an.

An die Hand genommen zu werden hilft im übertragenen, aber auch im wörtlichen Sinne. Die haltende Hand ist der Anker, der mich in solchen Augenblicken in Leben und Lebendigkeit festigt, wenn alles zu verschwimmen scheint. Für jede helfende Hand, für jeden einzelnen Anker bin ich dankbar.

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